Ein Löffel als Begleiter durch ein ganzes Leben

Leicht dürfte Lore Kaben der Abschied nicht gefallen sein, aber “ich hoffe, dass er bei Ihnen einen guten Platz findet”: Der Löffel, den sie der Ausstellung “Von Degen, Segeln und Kanonen” zur Verfügung gestellt hat, hat ihren Mann Herbert durch sein ganzes Leben begleitet. Vor zehn Jahren ist er im Alter von 77 Jahren gestorben, “mit diesem Löffel habe ich ihm das letzte bisschen Suppe eingeflößt”, erinnert sich seine Frau.

Es sind Geschichten wie die von Lore Kaben, die bei der Aktion “Gib den Löffel ab” für hochemotionale Momente sorgen. Die Witwe aus Leezen in der Nähe von Bad Segeberg schickte den Löffel an Dr. Ralf Bleile, Projektleiter für die Ausstellung “Von Degen, Segeln und Kanonen”, die am 28. Mai in der Reithalle auf Schloss Gottorf eröffnet wird. Herzstück der Ausstellung wird eine Installation aus bis zu 500 Löffeln sein, die Menschen wie Lore Kalben den Ausstellungsmachern zur Verfügung stellen.

Zum Hintergrund: Fast 500 Menschen drängten sich an Bord des schwedischen Flaggschiffs „Prinzessin Hedvig Sofia“, das am 24. April 1715 wenige Kilometer vom Bülker Leuchtturm bei Kiel entfernt in der Ostsee versank. An Bord waren Menschen aus fast allen Anrainergebieten der Ostsee. Und jeder hatte seinen eigenen Löffel bei sich. Diese Löffel finden Archäologen an den Wrackplätzen: sie sind aus Horn oder Holz, Zinn, Silber oder Gold.

Zehn Jahre hütete Lore Kaben den Löffel bei sich: “Einfach entsorgen mochte ich ihn nicht.” Er sei aber so abgenutzt, dass niemand mehr damit essen wolle. Der silberne Löffel von 1926 trägt ein K – K für Kaben und war ein Geschenk für Johann Kaben als Anerkennung für seine geleistete Arbeit auf dem Gut Dutzow in Mecklenburg. Sein Sohn Herbert Kaben hat diesen, und nur diesen Löffel sein Leben lang täglich benutzt. Als er an Lungenkrebs schwer erkrankte, flößte ihm seine Frau Lore mit diesem Löffel bis zum Schluss die Suppe ein. Vor zehn Jahren starb er mit Alter von 77 Jahren.

Nun findet der Löffel noch einen guten Platz: Er wird Teil der Kunstinstallation in der großen Sonderausstellung in der Reithalle. Und wer ebenfalls noch seinen Löffel bei Dr. Ralf Bleile abgeben möchte, kann das in den nächsten Wochen noch tun.

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